Heiligengeistschule Lüneburg. Eine wachsende Skulptur

von George Steinmann und Hildegard Kurt

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Das Nationalkomitee der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ hat unsere Bemühungen als Dekade-Projekt ausgezeichnet und es damit als Beitrag zur Allianz „Nachhaltigkeit lernen“ anerkannt.

Der Ansatz
Welches Wachstum brauchen wir? Lässt sich das Prinzip Wachstum jenseits seiner Verengung auf Wirtschaftswachstum neu für den Menschen und für die Natur erschließen? Wie wird Schule mehr als bisher zu einem Ort nachhaltigen Gedeihens? Wie wird sie zu einem Ort, an dem sich Räume für wirklich Wünschenswertes eröffnen? Fragen dieser Art stehen am Beginn der Wachsenden Skulptur Heiligengeistschule Lüneburg.

 

Der Ort
Die Heiligengeistschule bewegt sich in einem vielfältigen Spannungsfeld – zwischen Vergangenheit und Zukunft, aber auch zwischen schwierigen sozialen und räumlichen Verhältnissen einerseits und einem bemerkenswerten kulturellen Reichtum andererseits.
Einst, 1816, war sie die erste allgemeine Volksschule Lüneburgs, zugänglich für alle Kinder, auch nichtbürgerliche. Lange schon gilt die schlanke Nadel des Dachreiters der ehemaligen Kapelle des Hospitals zum Großen Heiligen Geist in Lüneburg als Symbol für Sozialarbeit und Bildung. Heute finden sich in der Heiligengeistschule mit ihren Schülerinnen und Schülern verschiedenster Herkunft die immensen Herausforderungen der globalisierten Welt im Kleinen.
Überdies gilt es, in Sprachheilklassen Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerungen so zu unterstützen, dass sie sich in konventionelle Grundschulklassen integrieren können. Und zugleich gehört die Schule dem Kooperationsverband Hochbegabung an.
Auch auf der architektonischen Ebene zeigt sich das besagte Spannungsfeld: Einerseits ist man in einem traditionsreichen, denkmalgeschützten Gebäude mitten in der Altstadt untergebracht. Andererseits aber hat man mit akuter Raumnot und anderen baulichen Defiziten zu kämpfen, die die Lernprozesse spürbar beeinträchtigen.
Charakteristisch für die Heiligengeistschule scheint zu sein: Trotz vielfältiger Spannungen, Schwierigkeiten, auch Konflikte, gelingt hier immer wieder ein konstruktives Miteinander.
Damit verfügt die Schule über ein soziales und kulturelles Kapital, das unverzichtbar ist für die Zukunftsfähigkeit unserer globalisierten Welt. Gleichwohl werden diese Ressourcen bisher tendenziell weder innerhalb der Schule selbst, noch von außen angemessen wahrgenommen, gewürdigt und gepflegt.
Hier setzt die Wachsende Skulptur Heiligengeistschule Lüneburg an.

Das Werk
Die Wachsende Skulptur Heiligengeistschule Lüneburg will dem, was in dieser Schule an Zukunft eröffnenden Ressourcen und Fähigkeiten vorhanden ist, Raum schaffen und Respekt erweisen. Sie will vorhandene Stärken wahrnehmbar und bewusst machen. Sie will Gelingendes ehren – und dadurch mehren.
Das Werk umfasst zwei plastische Prozesse, die wie zwei Flügel ineinander greifen.
Flügel 1 ist eine räumlich-architektonische Intervention. Ausgehend von vorhandenen baulichen Defiziten hat diese Intervention zum Ziel, einen Raum für zukunftsfähiges Wachsen zu schaffen – einen Kraftort an der Schnittstelle von Tradition und Zukunft.
Flügel 2 ist die Werkstatt Wärmeplastik Heiligengeistschule. Hier entwickeln Lehrende und Eltern gemeinsam Praktiken, die das menschliche Potential an dieser Schule ins Bewusstsein heben. Denn nur in dem Maße, wie wir Humanität kultivieren und ehren, können wir sie mehren.
Gewidmet ist das Werk den heutigen und zukünftigen Schülerinnen und Schülern.
Die Federführung für Flügel 1 liegt bei George Steinmann, die für Flügel 2 bei Hildegard Kurt. Beide Flügel zusammen bilden das Werk Heiligengeistschule Lüneburg. Eine wachsende Skulptur.
Der Begriff Skulptur beschränkt sich hier nicht mehr auf ein räumliches Objekt. Er bezeichnet vielmehr ein überräumliches und prozessuales Prinzip. Daher ist die Wachsende Skulptur Heiligengeistschule Lüneburg nur zum Teil sichtbar. Ihre gesamte Gestalt erschließt sich erst einem inneren, imaginativen Mitwirken.
Das Werk verschreibt sich ganz dem Ort. Zugleich aber wird es, so hoffen wir, modellhaft und auf andere Schulen übertragbar sein.
Indem der gesamte Werkprozess die Stärkung und Weiterentwicklung des sozialen Organismus Schule als plastischen, künstlerischen Prozess angeht, findet hier auf innovative Weise ästhetische Bildung für Nachhaltigkeit statt.
Nachhaltigkeit oder, synonym, Zukunftsfähigkeit bedeutet, im globalen Horizont soziale und ökonomische Gerechtigkeit mit ökologischer Verantwortung unter Beachtung kultureller Vielfalt zu verbinden. Das ist radikal im Sinne von lat. ‚radix‘, „an die Wurzel gehend“. Dieser Art von Radikalität dient die Wachsende Skulptur Heiligengeistschule.

Die Partner
Künstlerisch wird das Werk von George Steinmann und Hildegard Kurt geleitet.
Die Heiligengeistschule Lüneburg ist Ort des Werkes und mitwirkender Partner zugleich. Träger ist das und.Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit (und.Institut) mit Sitz in Berlin, Frankfurt am Main und Hamburg. Ansprechpartnerin hier ist Hildegard Kurt, die das Berliner Büro des und.Instituts leitet.
Das Institut für Integrative Studien (infis) der Universität Lüneburg unter Leitung von Prof. Dr. Ute Stoltenberg begleitet das Kunstprojekt wissenschaftlich.
So veranstaltet das infis u.a. in diesem Sommersemester ein Seminar mit dem Titel „Die kulturelle Dimension einer nachhaltigen Entwicklung“, das sich mit der Idee „wachsende Skulptur“ auseinander setzt und dabei die Kinder der Heiligengeistschule einbezieht.
Am 23. März 2009 hielt Prof. Dr. Ute Stoltenberg einen Vortrag über „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung als Konzept für Unterricht und Schulentwicklung“ und umriss darin die derzeitige bildungswissenschaftliche und bildungspolitische Debatte, in deren Kontext das Kunstprojekt steht. An dem Vortrag und der ausführlichen Diskussion beteiligte sich das gesamte Kollegium der Schule.
Gefördert wird das Projekt von der Altner-Combecher Stiftung für Ökologie und Frieden sowie vom Institut für Umweltkommunikation der Universität Lüneburg.

Der Zeithorizont
Nach der Auftaktveranstaltung entstanden am 9. und 10. Mai 2009 während der ersten Werkstatt fruchtbare Ansätze und Ideen. Diese wurden in einer zweiten Werkstatt Wärmeplastik Heiligengeistschule mit Hildegard Kurt vom 18. – 20. September 2009 weiterentwickelt. Während der dritten Werkstatt vom 20. – 22. November 2009 wurden konkrete Veränderungen formuliert, die später in den Gremien der Schule beschlossen wurden. Einige davon finden schon seit Beginn des 2. Schulhalbjahres des Schuljahres 2009/2010 ihre Umsetzung.
Unterdessen widmete George Steinmann sich der Ausgestaltung von Flügel 1.
Auf der Schlussveranstaltung zu Phase I im Februar 2010 wurden die Ergebnisse beider Flügel in der Heiligengeistschule der Öffentlichkeit präsentiert.
Näheres finden Sie hier: Wachsende_Skulptur

Die Website zu dem Werk ist unter www.wachsende-skulptur-lueneburg.org zu erreichen.

Bitte wenden Sie sich bei Fragen an die Konrektorin der Heiligengeistschule, Tanja C. Staats, staats@heiligengeistschule.de, an Hildegard Kurt vom und.Institut, h.kurt@und-institut.de, oder an Verena Holz vom Institut für integrative Studien der Leuphana Universität Lüneburg, verena.holz@uni-lueneburg.de.